Ifo-Barometer: Exporterwartungen der Industrie brechen dramatisch ein – DER SPIEGEL

Der deutsche Außenhandel spürt die Folgen der Coronakrise offenbar bereits heftig. Die Stimmung unter den deutschen Exporteuren hat sich im März so stark eingetrübt wie noch nie: Das Barometer für die Exporterwartungen der Industrie brach von minus 1,1 auf minus 19,8 Punkte ein, wie das Ifo-Institut zu seiner monatlichen Umfrage unter 2300 Unternehmen mitteilte.

Dies ist der stärkste Rückgang seit der Wiedervereinigung und der niedrigste Wert seit Mai 2009. „Die Corona-Pandemie bremst den weltweiten Handel aus. Die länderübergreifende Logistik wird schwieriger“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. „Deutschland als Exportnation ist besonders davon betroffen.“

Die Aussichten fielen in nahezu allen Industriebranchen. Besonders hart trifft es demnach die Autobauer, die mit deutlichen Rückgängen bei den Exporten rechnen. „Auch im Maschinenbau ist der Ausblick düster“, sagte Fuest. Gleiches gilt für die Hersteller von Textilien und Bekleidung. Vergleichsweise moderat waren die Rückgänge bei den Herstellern von elektrischen Ausrüstungen und in der Chemieindustrie.

Für die internationale Handelsschifffahrt sei es ein gutes Zeichen, dass die Produktion von Exportgütern in China wieder aufgenommen werde, sagte Alfred Hartmann, Präsident des Verbandes Deutscher Reeder (VDR). Damit könne sich vor allem der Containerverkehr zwischen China und Europa wieder stabilisieren. Dennoch sehen die Reedereien nach mehr als zehn Krisenjahren neue Probleme auf sich zukommen. „Jetzt drohen erneute erhebliche Rückschläge“, sagte Hartmann. „Für einige Unternehmen wird schon jetzt absehbar die Tilgung von Schiffskrediten zum Problem werden.“

Betroffen sei etwa die Fährschifffahrt zu den deutschen Inseln in Nord- und Ostsee oder die Kreuzschifffahrt. Wie schwerwiegend die Auswirkungen sind, lasse sich jedoch noch nicht beurteilen: „Derzeit ist die Lage hier zu dynamisch, um belastbare Prognosen zu stellen.“

„Angst vor dem Jobverlust hat stark zugenommen“

Im Inland wiederum leidet durch die Corona-Beschränkungen auch die Nachfrage: Die Verbraucherstimmung in Deutschland ist auf den niedrigsten Wert seit der Finanzkrise eingebrochen. In seinem monatlich ermittelten Konsumklimaindex prognostiziert der Nürnberger Marktforscher GfK für April einen Rückgang um 5,6 Punkte auf 2,7 Zähler.

Nur im Mai 2009, auf dem Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise, lag der Index mit 2,6 Punkten niedriger. GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl sagte: „Ein so starker Rückgang ist seit Beginn der Erstellung des Konsumbarometers 1994 beispiellos.“ Die Konsumneigung ging „drastisch“ zurück, um 22,2 Punkte auf 31,4 Punkte. Ein niedrigerer Wert sei zuletzt im Juni 2013 gemessen worden.

Drohende Kurzarbeit und steigende Arbeitslosenzahlen ließen auch die Einkommenserwartung fallen: „Die Angst vor dem Jobverlust hat stark zugenommen“, sagte Bürkl. Handel, Hersteller und Dienstleister müssten sich auf eine Rezession einstellen.

Die GfK erhebt für ihre repräsentativen Studien zum Konsumklima monatlich die Einschätzung von rund 2000 Verbrauchern zu Konjunktur, Einkommen und Anschaffungsneigung. Für die April-Prognose befragten die Marktforscher die Verbraucher vom 4. bis 16. März – also vor Schließung von Geschäften und Produktionsstopps.

Icon: Der Spiegel

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